M. H. Steinmetz – 666 #1

#Titel: 666
#Verlagswebsite: http://www.papierverzierer.de/666.html
#Autor: M.H. Steinmetz
#Seiten: 312666cover
#ISBN: 9783959623124
Klappentext: Lucy ist der neue Star der New Yorker Undergroundszene. Sie ist jung, schön und verdammt tough. Nach einem Auftritt ihrer Band »Hell’s Abyss« ändert sich jedoch alles. Rätselhafte Blackouts stoßen sie in einen Strudel voller Wahnsinn, Blut und Gewalt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Aber was augenscheinlich nur als Mordserie beginnt, bedeutet vielleicht mehr als nur das Töten von Menschen.

Rezension:
Was im Prolog mit Flucht aus dem Hause ihre Kindheit beginn, ist für Lucys Geschichte in dem Auftakt von Steinmetz‘ Trilogie nur der Anfang einer ganz großen Story, die sich nur minder mit wenigen Worten beschrieben lässt. Ihre Zusammensetzung aus Brutalität, Leidenschaft, inhaltlicher Geschichte, phantastischen Elementen und dem hervorragenden Schreibstil lassen daraus eine rasante, zum Lesen dazu verdammte Story in ihrer nahezu perfekten Komposition entstehen, die dafür sorgt, das Buch kaum aus der Hand legen zu können. Oder in meinem Fall den Reader.

Nach der Flucht aus dem Hause ihrer Pflegefamilie will Lucy gemeinsam mit ihrem Kumpel Bacon „[…] Musik [machen], wie sie noch nie zuvor jemand gemacht hatte.“ (S. 18). Mit ihren 23 Jahren steht sie dann mittlerweile schon seit sechs Jahren als Sängerin von Hell’s Abyss auf der Bühne, hier setzt die sich abspielende Story von Steinmetz an. Hier beginnt sie. Schnell passiert für Lucy und den Leser bereits ein heftiger Schock. Ein Toter liegt in der Badewanne ihres Hotelzimmer, sie selbst ist nackt, kann sich an nichts mehr erinnern und bekommt – wie jeder andere in dieser Situation – Panik. Sie kompensiert es nur anders, als andere. Selbstverständlich nimmt die Polizei ihre Ermittlungen auf, und wie es der Zufall auch will, ist neben dem Hotelzimmer, aus welchem Lucy letztlich flüchtet, ein Symbol gekennzeichnet, dass dem von ihrer Band verdammt ähnlich sieht. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Polizei auch Lucy gleich ins Visier nimmt.
Besagtes Symbol „[wird von]weniger seriösen Gruppierungen verwendet, die sich dem absolut Bösen zugetan haben.“ (S.96) Eben jene befassen sich mit Ritualen, die die Beteiligten mit Gewalt und Schmerzen in Ekstase versetzen lassen. Auch Lilith selbst stellt die Symbolik dar. Es deutet alles darauf hin, dass es bald zu einer Entscheidungsschlacht zwischen dem Guten und Bösen geben wird. Und auch soll. Was Lucys Band davon betrifft, erfährt man erst im Laufe der Handlung, erst gegen Ende auch verdichtet sich auch alles, was auf einen spannungsgeladenen zweiten Teil hindeutet. Derzeit schreibt Steinmetz ihn, nächstes Jahr werden wir als Leser mehr darüber erfahren. Und ich vor allem.

Die Figur der Lucy ist hier besonders faszinierend und dramatisch zugleich. Was anfänglich nur eine beschönigende Darstellung einer jungen Frau, die es nicht einfach in ihrem bisherigen Leben hatte, sich andeutete und bei der damals ihre Mutter bereits wusste: „Du bist eine Ausgeburt der Hölle, das bist du und nichts anders!“ (S. 161), entwickelt sich zu einer gesteigerten, bühnenreifen Figur, die in diesem Auftakt „666“ ein stetes Verbindungsgleis zur biblischen Herkunft darstellt: „666 ist die Bezeichnung oder der Name für das im letzten Buch der Bibel beschriebene „wilde Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. […] Es steigt aus dem Meer auf und ist ein Symbol für das weltweite politische System, das „über jeden Stamm und jedes Volk und jede Zunge und jede Nation“ regiert[…]. Der Name 666 steht dafür, dass dieses politische System aus Gottes Sicht voll und ganz gescheitert ist.“ (Quelle: http://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/fragen/was-bedeutet-666/) Lucy ist die Tochter eines „[…]Inkubus, der nach den Seelen der Menschen trachtet!“ (S.163) Sie soll der Schlüssel in einem Initiationsritus sein, um Lilith später den Weg zu ebnen für die Schlacht.
Steinmetz arbeitet hier mit einem bekannten biblischen Hintergrund, der in anderen Versionen in diversen Serien wie „Supernatural“ Einzug und die breiten Massen begeistert hat, in einer völlig neuen Variante. Erstaunlich ist dabei, wie lebendig und fesselnd es von dem Autoren beschrieben wird. Jede Szene ist mit Details gespickt, die mit ihrem Reichtum an bildhaften Vergleichen zu einer Plastizität führen, die seinesgleichen nur noch schwer zu finden ist.

„666“ wird vorzugsweise aus dem allwissenden Erzähler heraus, beschrieben, der schwer darauf bedacht ist, Lucs Sichtweise uns als Leser nahe zu bringen. Empathie kann da durchaus an so mancher Stelle auch empfunden werden. Unterbrochen wird das Ganze mit den Ermittlungen von Martinez und Eldritch, den zwei Ermittlern, die bis zum Ende hin an den Morden dran sind. Zu Eldritch hegt Lucy übrigens eine besondere Beziehung. Zur Steigerung aller blanken Nerven fiebern die Medien mit der Polizei mit, den Mörder zu finden. Am besten aller Morde. Denn bei einem Toten, der „nur“ in der Badewanne liegen bleibt, bleibt es nicht. Einschübe vom „New York Citylife News Ticker“ nutzen die Geschehnisse, sei es das Bandleben oder die gefundenen Leichen, als Verkaufsschlager und merken dabei nicht, wie sehr sie die Gefahr für die Bevölkerung schüren. Meiner Ansicht nach, ist das hier der Fall. Und wird im zweiten Teil sicherlich eine Rolle übernehmen, denn gerade sie verkennen die Bedeutung des ganzen Ausmaßes.

Eine winzige Kritik sticht mir hier lediglich in den Magen: Warum schalten unsere beiden Ermittler nicht ab einem gewissen Punkt ihren Commissioner, ihren Vorgesetzten, ein? Dass Eldritch bezüglich Lucy einiges verschweigt, ist nachvollziehbar, doch beide tappen im Dunkeln, wird aufgrund der Mediensituation nicht etwas Druck seitens deren Chef gemacht? Will er nicht irgendwann Ergebnisse haben? Dieser Punkt fehlt, auch, wenn es nahezu für mich nichts an meinem großartigen Gefühl beim Lesen dieser Geschichte, ändert.

Aber: Bildet euch selbst eine Meinung, diese Geschichte wird euch definitiv gut unterhalten!

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