Annette Dutton – Das Geheimnis jenes Tages

#Titel: Das Geheimnis jenen Tages
#Verlagswebsite: http://www.droemer-knaur.de/buch/8418446/das-geheimnis-jenes-tages
#Autor: Annette Duttonanetteduttondasgeheimnisjenentages
#Seiten: 384
#ISBN: 9783426517031
Klappentext: Die Archäologin Nadine soll einem Aborigine-Stamm einige Artefakte zurückgeben, die deutsche Forscher im 19. Jahrhundert unrechtmäßig an sich gebracht haben. Ihre 18-jährige Tochter begleitet sie und verschwindet wenig später spurlos im Outback. Als die Polizei sie nicht finden kann, wächst Nadines Angst ins Unermessliche. Lang verdrängte Erinnerungen steigen in ihr auf: An jenen Tag im Frühjahr 1984, als ihre Zwillingsschwester starb …

Rezension:
Annette Dutton ist vielen ein Begriff, wenn es um Familiengeheimnisse, Dramen und Schicksalsschläge geht. Sie legt auch gleich nach „Das Geheime Versprechen“ mit einem Weiteren nach.
In dieser Geschichte geht es um Nadine, die ihre Tochter Alina allein großzieht und ihren Ex-Mann Thomas, der nur bedingt bei der Erziehung mitreden kann. Nadine ist Professorin am anthropologischen Institut in Leipzig und bekommt trotz allerlei Quälereien und Diskussionen, die sie mit ihrem Chef hat, die Chance die „Human Remains“ in ihr Ursprungsland Australien zurückzubringen. Hierbei handelt es sich um die Knochen, die Amalie Dietrich damals nach Deutschland verschickte während ihres Australienaufenthaltes. Die berühmte Sammlerin und Naturforscherin. Zusammen mit der Presse soll das erste Rückgabeprojekt zwischen Deutschland und Australien stattfinden. Dass ihr Chef da besonders auf ihre Loyalität und nicht auf Alleingänge ihrerseits zählt, versteht sich von selbst, doch Nadine ist eine überaus geradlinige Person, die nichts davon hält, die Tatsachen selbst vor der Presse zugunsten des Instituts zu verdrehen. Sie steht für Ehrlichkeit, auch zu ihren Handlungen steht sie sehr. Mit ihr als Figur kann man sich dank Duttons Einfühlsamkeit sehr gut wiederfinden.
Nadine und Alina machen sich gemeinsam auf den Weg nach Australien, beide mit einem unterschiedlichen Ziel. Während des Rückgabeprojekt seinen Lauf nehmen soll, möchte Alina in ihre große Zeit als Backpackerin durchstarten, ein Jahr lang will sie in Australien bleiben, hat sich mit Sari, einer Freundin, für eine gemeinsame erste Tour verabredet und hungrig nach neuen Lebenserfahrungen. Typisch für eine 18 – jährige. Nur über Alina findet man wenig heraus, ihre Sichtweise bleibt bei Dutton völlig unberührt und sie ist lediglich eine Figur, durch die die Handlung vorangtetrieben wird. Im weiteren Verlauf wird sie nämlich noch entführt, es kommt wie zu erwarten war: zu einer großen Suchaktion und selbstverständlich erklärt sich ein Reporter, der Nadine bereits aufgrund ihres Reisegrundes kennengelernt hat, bereit, ihr zu helfen. Selbstreden wird ihnen auch geholfen. Nur wie sich schnell herausstellt: Vom Entführer selbst. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um ihre Tochter noch lebend zu retten vor diesem Irren, muss sie schnell handeln, notfalls auch eben ohne die Polizei, die – wie Dutton bereits in ihrem Vorgänger an Roman bewies – ohnehin nie wirklich der beste Freund für Menschen in Not zu sein scheint.
„Das Geheimnis jenen Tages“ beschreibt zwei parallel sich abspielende Welten – 2009 und Nadine’s und Alinas Schicksal und die Zeit von Amalie Dietrich, ihr fast vollständiges Leben, erzählt aus Duttons Sicht, die ausdrücklich auch erklärt, dass aufgrund der wissenschaftlich nicht nachweisbaren Funde an Fakten über unsere sächsische Naturforscherin, grenzt ihr Roman auch nur an gewissen Stellen wahrheitsgetreu an. Es gibt wirklich viele Ähnlichkeiten mit historischen Fakten, jedoch wie Amalie Dietrichs wirkliches Leben in den einzelnen dargestellten Episoden wie Dutton sie und ihre Beziehung zu Ehemann Wilhelm Dietrich beschreibt, bleibt offen. Denn ganz kann man es schließlich nie weitertransportieren. Was aber befördert wird, ist: Eine transparente Geschichte von Amalie Dietrich, die in ihrer Arbeit, dem Sammeln und dem Herbarisieren ihrer Pflanzen völlig aufgeht, die in der Natur ihren Lebenstraum gefunden hat. Nicht ohne, dass sie sich mit ihrer Familiensituation trotzdem auseinandersetzen muss und die sie immer wieder zur Vernunft und zur Verantwortung treibt, für ihre Tochter stets das Beste zu bewerkstelligen. Absehbar ist auch, dass Wilhelm Dietrich eine Affäre anfängt mit dem damaligen Hausmädchen der beiden, diese ist bald Geschichte und nach einem reumütigen Jahr der Trennung kehrt Amalie trotzdem wieder zu ihrem Mann zurück. Jahre später merkt sie immer mehr, wie dieser sein egoistisches Denken in seinem Leben immer wieder voran stellt. Nichts kann sie ihm recht machen und das, obwohl sie auf Reisen alles an Gepäck für ihn trägt, Schmerzen hat. Nicht einmal seine Tochter kümmert den Herrn sehr, schließlich wollte er einen Jungen haben, der ihm beim Sammeln der Pflanzen und Kräuter behilflich sein sollte. Ein Mädchen könne das nicht, so auch keine Charitas. Irgendwann erkennt das Amalie und dann geht sie ihren eigenen Weg, weg von ihrem Mann, zusammen mit ihrer Tochter, und kämpft um ein besseres Leben, für sich und ihren Traum, weiter in der Natur arbeiten zu dürfen.
Wieder einmal prallen die Vergangenheit und die Gegenwart hier aufeinander, verlaufen anfänglich paralell ohne großen Aufhebens und spitzen sich nach und nach zu, finden aber am Ende bei Duttons Geschichte keinen gemeinsamen Nenner oder Punkt. Kurzum: Es geht um Nadine, die das Erbe von Amalie zurück nach Australien befördert, dort wird ihre Tochter entführt und sie will sie retten. Letzterer Handlungsstrang bringt erst in den letzten 70 Seiten etwas Spannung auf, wenn auch nicht viel und verpufft gegen Ende wieder wie eine Staubwolke. Dann geht es um das Leben von Amalie Dietrich und die Geschichte, wie Sammlerstücke aus Australien nach Deutschland gelangt sind. Alles in allem ist es eine nette Idee, die gepudert wird mit Duttons wirklich schönem, Schreibstil, der ohne Vergleiche Metaphern und sonstigen Schnörkeleien, die das Leserherz höher schlagen lassen, eben auskommt. Etwas, was in „Das geheime Versprechen“ äußerst gut ankam, nebst der überaus spannenden Handlung, hier jedoch leider versackte. Nichtsdestotrotz ist es eine schöne Familiengeschichte, die mit einer Menge Schicksalsschlägen behaftet ist auf beiden Seiten der Zeit. 2009 und das 19. Jahrhundert spielen hier eine große gleichermaßen auf eine Höhe. Im Fokus der Zeiten stehen zwei Frauen, zwei Mütter, die sich um ihre Tochter jeweils sorgen und getragen aus Liebe zum Beruf und zur Tochter einiges sich aufbürden, obwohl beide auch einen einfacheren Weg hätten wählen können.

Bildet euch selbst eine Meinung – schaut vorbei beim Verlag und teilt euch mit, was ihr über Duttons neues Werk denkt.

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