Heike Vullriede – Emotion Caching

Vullriede spielt in ihrem dritten Roman mit den Gefühlen und Emotionen vieler Menschen. Nicht nur ihre Figuren erfahren, das aus einem Spiel purer Ernst werden kann, sondern auch der Leser erfährt es. Gerade jugendlichen Lesern würde dieses Buch sicher zu Gute kommen.

emotioncaching
Im Grunde genommen geht es um Kim, die ein Problem mit sich selbst und ihren Gefühlen gegenüber anderen hat, ihr Vater hat sie früh verlassen und sie verweigert allen anderen, die sich nur ansatzweise ihr annähern, den Zutritt zu ihren Gefühlen, wird schroff und zickig. Benni dagegen leidet unter seinem sehr brutalen, reichen Vater, Nico leidet unter der Anonymität in seiner eigenen Familie und versucht diese Unzufriedenheit im Zusammensein mit seinen Freunden zu kompensieren. Lena dagegen hat ihren kleinen, nervigen Bruder, um den sie sich öfter kümmern muss. Vier typische Teenager, die nichts Besseres zu tun haben als beim nächsten Dönerladen rumzuhängen und den Sinn des Lebens für sich zu entdecken.
Es begann mit einem netten Spiel, dessen Regeln dem von Geocaching ähnlich sind, nur das es um Emotion, die man sammeln soll, geht. Ziel ist es, verschiedene Emotionen aus den Menschen herauszuholen. Dabei ist nicht gemeint, Menschen in ihrer näheren Umgebung zu filmen, sondern Situationen zu inszenieren, in denen diese dann völlig die jeweils zu schaffende Emotion zeigend, verlieren. Beispiellos sind es anfängliche Spielereien, die sich schnell zu ernsteren Dingen wie einem „ernsten Schrei“, welchen man Nicos Tante entlocken will, entwickeln. Zum adretten, flüssigen Stil von Vullriede, den wir bereits aus ihren vorherigen Werken sehr gut kennen, können wir auch hier mit einem gewissen Gruselfaktor rechnen, der bei den Lesern eintritt.
Es handelt sich hierbei um die fortan währende Entgleisung der Kontrolle eines jeden Spielers, und vor allem von einem gewissen Spieler. Wer es sein wird, stellt sich – leider – bereits sehr früh heraus, sodass gerade das Ende nicht nur sehr vorausschaubar wirkt, sondern auch sehr schnell ist. Die letzten 50 Seiten haben es in sich, währenddessen alles vorher nur sanft den Leser zu diesem Punkt treibt.
An sich ist die Idee ihrer Geschichte echt gut und etwas Neues vor allem. Gefühle sammeln. Aus den unterschiedlichsten Gründen und gerade für Kim ist das eine sehr gewichtige Angelegenheit. Um sich selbst am Leben zu erhalten, macht sie sich nach und nach von den Gefühlen anderer abhängig. Schade ist, dass diese Abhängigkeit, die bei mir nur ansatzweise rübergekommen ist, nicht etwas zentraler in den Mittelpunkt gerückt ist. Durch verschiedene Einschnitte, öfter mal ihre Ich-Perspektive, die leider nur im Prolog /Epilog vorkommt, hätte da sicher einiges noch verdeutlicht und es damit sogar noch etwas gruseliger werden können… So verlief es nach einer netten, guten Erzählung, die sich schnell liest und bei der man sich am Ende fragt: Und nun?
Trotzdem bin ich überzeugt von ihrem Stil und ihrer feinen, besonderen Art zu schreiben. Heike Vullriede ist eine ganz besondere Autorin, die man sich nicht nehmen lassen sollte. Sie geht unter die Haut, wenn auch sehr subtil. Vielleicht ergreift mich ihr nächstes Werk genauso wie ihre vorherigen vor Emotion Caching, wir werden sehen. Trotzdem wäre ich sehr gespannt, was ihr zu diesem Buch meint.

Zum Verlagslink geht’s hier entlang: http://www.luzifer-verlag.de/emotion-caching-heike-vullriede/

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