Ivonne Keller – Lügentanz

Ivonne Keller hat bereits schon einige Bücher veröffentlicht, darunter auch ihr aktuelles Buch „Lügentanz“. Dass sie mir bereits in ihrem vorherigen Erstlingsroman „Hirngespinster“ bewies, dass es nach langem Vorgeplänkel wahrlich zur Sache geht am Ende, ist eine Sache, dass es auch in diesem Roman allerdings war, eine andere. Der Unterschied liegt lediglich noch in der Intensität.

lügentanz
Während man sich bei beiden Romanen zwischendrin und gerade anfangs fragte, worauf Keller herauswill, stellte sich gerade bei „Lügentanz“ bereits nach genauerem Hinschauen der Figur der Bea Bern ein ungutes Gefühl ein. Etwas stimmte definitiv nicht mit ihr und erst als Lena, Magdalena von Hohenkamp, nach und nach mit ihrem rationalen Verstand dahinter kam, schien fast alles zu spät zu sein.
Um noch einmal auf den Unterschied zurückzukommen: Gerade in diesem Roman merkt man, warum Keller so viel ausholte, warum jede Szene so ausführlich wie nötig beschrieben werden musste, jedes Detail war wichtig – zum einen, um uns zu verwirren, zum anderen aber auch, um am Ende alles Klarer zu sehen denn je.
Michaela Michalsen hatte öfter Aussetzer, kleine Blackouts, bei denen sie nicht wusste, wie es dazu kam, manchmal verwirrt herumstand und nicht wusste, wohin oder was sie wollte – sei es beim Einkaufen oder beim Kochen. Ihr Umfeld, allen voran ihr Mann und ihr beste Freundin Bea, trug maßgeblich dazu bei, dass Michaela zunehmend verunsicherte, irgendwann dann aber Konsequenzen ziehen muss und auszieht. Wohin? Unschwer in die Nähe von ihrer Familie, doch auch die nächstgelegene Stadt: Frankfurt am Main. In eine Wohnung von Herrn Grunwald, der dringend einen zuverlässigen Menschen an der Seite seines Hundes wissen wollte, während er sich seinen Traum einer Weltreise erfüllen wollte. Vorübergehende Untermieterin ist sie dann sozusagen. Ihre Familie, besonders ihre Tochter, kam nur schwer damit klar, zumal sie nicht direkt wusste, was mit ihrer Mutter war, sie ging davon aus, dass sie in einer Kur war. Warum und wieso, stellt sich später für sie erst heraus.
Gleich zu Beginn in Frankfurt begegnen sich zwei Frauen: Michaela und Lena. Lena war eigentlich die zweite „Mitbewerberin“ auf den Job, ihr wurde jedoch abgesagt, trotzdem finden beide über Umwege zusammen und lernen sich nach und nach können. Lena merkt immer mehr, das etwas nicht stimmt im Leben ihrer Freundin. Sie findet auch heraus, woran das liegt, muss aber selbst einen hohen Preis zahlen dafür.
Das ist eine der Überraschungen. Gerade gegen Ende geht es rasant zu, und man kann zwar ahnen, was los ist und wie es weitergeht, doch die Erwartungen – zumindest meine – haben sich nicht bestätigt, zum Glück.
Kellers Erzählkraft war hier sogar noch stärker als in „Hirngespinster“, durch die Szenen, das eingespielte Denken von Bea in ihren Nachrichten an Michaela, die das ganze aus ihrer Sicht immer wiederspiegelten, obwohl es Rückblenden sind, tragen dazu bei, die Spannung zu halten.
Die ganze Geschichte ist im wahrsten Sinne ein spielender Tanz voller Lügen, siehe Titel, mit dem eine Frau permanent konfrontiert wird, unbewusst, ohne, dass sie es weiß und mit erschreckend realistischem Ende bzw. Hintergrund. Typisch für Keller ist, dass sie wieder gegen Ende alles entwirrt und jeder noch so anfänglich unscheinbarer Dialog an Bedeutung gegen Ende gewann. Einzig und allein die neue Bekanntschaft, Lena, stellt den roten Faden des Lesers dar. Aber selbst das Mädchen hat einiges an Gewicht auf ihren jungen Schultern zu tragen, ist selbst vom Schicksal gestraft.
Schade war lediglich, dass man nicht erfuhr, wie es Karla, Michaelas Tochter, geht nach all der Wahrheit am Ende, ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Familientherapie angemessen wäre, doch davon wird leider nichts erwähnt.
Auf jeden Fall kann ich Keller mit ihrem Ausspruch nur zustimmen: „Mich fasziniert, was mit Menschen passiert, die kurz davor sind, auszuflippen.“ Mich hat das auch interessiert. Wie sieht’s mit euch aus?

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.droemer-knaur.de/buch/8418234/luegentanz

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