S.K. Tremayne – Eisige Schwestern

Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia, die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt.

eisigeschwestern Bald hüllen Wetternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühlo ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert. © Text und Bild: Droemer Knaur Verlag

Gedanken zum Buch:
Schon das Cover lockt mit seiner pschologisch gut gewählten Optik den Leser in die nur eine mögliche Richtung: Beide Kinder, um die es in diesem Buch geht, Kristie und Lydia, können nicht ohneinander. So ist das eben bei eineiigen Zwillingen. Gerade diese Symbolik verdeutlicht das, was auch der von Sarah aufgesuchte Psychologe nur zu bestätigen kann, Kirstie und Lydia können trotz des Überlebens des einzelnen Mädchens, ein und dieselbe Person sein, doch wer sie eigentlich ist, steht wirklich in Frage. Man rätselt mit als Leser und ich habe die rationalen, psychologischen Erklärungen für Kirsties merkwürdiges Verhalten beim Psychologen nur zu aufgesogen. Ich konnte nicht anders. Es ist möglich, dass sich der jeweils andere überlebende Zwilling, um den Verlust des Toten zu verkraften, sich deren Persönlichkeit, Eigenheiten oder gar Vorlieben nur zu aneignet – daher scheint Kristies Verhalten für einen Moment erklärbar.
Doch warum verhält sich der Hund Beany ganz anders zu ihr?
Mithilfe des Wohnortwechsels auf eine einsame Insel will die Familie wieder zur Ruhe kommen. Angus, Sarahs Mann und Vater der Kids, hofft auf einen Neubeginn, er hofft darauf, dass alles gut werden wird, obwohl er eine unbändige Wut Sarah gegenüber in sich trägt – warum, wird leider erst gegen Ende klar. Dass „leider“ meinerseits bezieht sich hierbei nicht darauf, dass ich es mir anders gewünscht hätte, im Gegenteil – Tremayne hat es raffiniert nur zu gut eingefädelt. Die Lage der Familie spitzt sich zu, Kirsties oder Lydias Verhalten wird immer abstruser, absonderlicher und erschreckender, sodass man einfach nur nach einer verdammten, guten Lösung für alles sucht. Die neue Schule mit deren Kindern machen das Mädchen umgehend zur Außenseiterin, selbst die Lehrer sind verstört und restlos überfordert mit ihr und vor allem damit, die anderen Kinder ruhig zu halten. Als dann noch der von Sarah eingefädelte Besuch einer Spielkameradin für ihre Tochter gänzlich in einem Fiasko endet, greift sie nach jedem Strohhalm, der sich ihr als Erklärung oder neue Information über das Sein ihrer Tochter bietet. So interpretiert sie auch einiges falsch.
Die 28 Kapitel, vorwiegend aus Sarahs Sicht beschrieben mischen sich mit denen, wo Angus in der dritten Person selbst zu Wort kommt. Man kann sich auf Tremayne in einem Fall aber verlassen: Er hat seinen Debutroman so geschrieben, dass man bis auf die letzten Seiten immer noch gespannt ist. Teilweise auch gebannt, denn wer vermutet schließlich das, was am Ende rauskommt? Zwar wird von Anfang an klar gemacht, dass Sarahs als Mutter die Schuldige ist, aber nur teilweise. Doch das, was am Ende immer mehr an Spannung den Raum einnimmt, ist äußerlich zwar der Sturm, doch der tobt bei mir als Leser auch: Die Erkenntnis, was wirklich vorgefallen ist, ist schrecklich. Und doch realistisch, die Frage nach dem Warum das alles passieren musste jedoch, bleibt leider unbeantwortet.
Tatsächlich gelingt es dem Autor jedoch nicht, ein wahres, gefühlvolles Bild der Kinder für mich als Leser zu zeichnen, teilweise konturlos und lediglich bespickt mit einigen Eigenschaften oder gar kleinen, am Rande erwähnten Erlebnissen, was wann passiert oder erlebt wurde, bleiben die Kinder nur mit einigen Eindrücken zurück. Eine nähere Bindung zu mir als Leser kann daher nicht erfolgen. Das funktioniert nur nicht.
Alles in allem aber, ist es ein spannender Psychothriller, der der zentralen Frage nachgeht, wer die verstorbene Tochter wirklich ist. Wer es abgedreht, verwirrend und sich leiten lassen kann von einem neuen Autoren, der kann es mit diesem Buch gern versuchen.

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.droemer-knaur.de/buch/7997428/eisige-schwestern

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