Michael Koglin – Der Mädchenmacher

Koglins zweiter Thriller mit seiner Figur Lina Andersen. Sie ist auch anders, wie ihr Name bereits ausdrücken will. Den zweiten Teil kann man getrost als in sich losgelöst vom Ersten betrachten, man muss seinen ersten Band jedenfalls nicht zwangsläufig vorher gelesen haben.

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Koglins recht einfach gehaltener Schreibstil ermöglicht ein zügiges Lesen, was jedoch verlangsamt wird aufgrund Verwirrungen von Ortswechseln, die unvorhersehbar, sehr Knall-auf-Fall folgen und alles etwas hektisch wirken lassen, um dem Leser das Gefühl zu vermitteln, es ginge voran mit den Ermittlungen.
In „Der Mädchenmacher“ geht es um Ermittlungen, in die Lina Andersen einfach als normale Streifenpolizistin hineingezogen wird, angeblich, weil man sie ohnehin bereits im höheren Dienst gern hätte und ihr so unverhofft die Chance bietet und sie einfach in diesen ganzen Tierschützerfall mithineinzieht. Nachvollziehbar und glaubwürdig wirkt es nicht. Zumal sich hier mir die Frage stellt – ist das möglich bei der Polizei, so einfach, mir-nichts-dir-nichts, sich in so etwas verwickeln zu lassen, verdeckte Ermittlungen, Under-Covereinsätze, plötzliche Alleingänge, die obendrein honoriert werden bzw. lediglich verbal ermahnt werden? Bei einem Frischling wie Lina? Wohl kaum. Und wie gesagt: Es geht um Tierschutz. Leichen werden übel zugerichtet, drapiert, so als könne man sie als nächsten Gang verspeisen. Mit Lebensmitteln wird sozusagen „gespielt“, in diesem Punkt.

Lina wird eingesetzt in einem Supermarkt, in dem die Person, die als erste Leiche aufgefunden wurde, gearbeitet hat – früher. Eins führte zum Anderen und wieder Erwarten hatte es der Täter auch auf Lina abgesehen, das war keine Überraschung. Es war erst dann eine, als das Motiv sichtbar wurde: die letzten 20 Seiten waren so ziemlich die spannendsten von den restlichen knapp 300 Stück. Doch auch hier wieder: Wenn man sich nicht voll auf die Story ein lässt, blickt man durch die ganze Ortswechsel und Linas unnachvollziehbarem Verhalten einfach nicht mehr durch.
Die Figur der Lina als ungewollte Ermittlerin wirkt sehr konstruiert und naiv seitens des Autors. Lina trifft eigenmächtige Entscheidungen, setzt ihren Dickkopf durch, handelt unverantwortlich – doch, warum? Man möchte Glauben, sie hätte ein Gespür dafür, auf dem Richtigen Weg zu sein, doch beim Wunsch seitens des Lesers bleibt es – leider. Keine detailverliebte Beschreibungen lassen den Leser ein in ihre Gedankenwelt, nicht einmal vor sich selbst tadelt sie sich großártig, dass man meinen könnte, sie nimmt sich selbst ernst. Auch wirkt der ganze Polizeiapparat sehr schlampig, überhaupt nicht der Realität entsprechend – wie kann man denn trotz aller Zufälle keine DNA Problem vom Opfer entnehmen? Wie soll das jemals vor Gericht ausreichend gewesen sein, wäre es dazu gekommen? Dass Linas sich mit ihren Alleingängen, die zwar die Handlungen gewaltig vorantreiben, nicht gerade beliebt macht, ist absehbar, dass man jedoch kaum etwas davon mitbekommt, oder dass sie sich mit den Kollegen zumindest etwas auseinandersetzt, wirkt schlaff. Schlechte Umsetzung im „Thriller“. Lediglich aus Perspektive ihres „vorübergehenden“ neuen Chefs, Sören Hanisch, wird sie in seinen Gedanken, und ab und an verbal vor dessen Kollegen, ermahnt und zurechtgewiesen oder er ärgerte sich über sie, das war aber auch schon alles.

Ein weiterer Kritikpunkt ist: Themen wie Kannibalismus im Zusammenhang mit dem Tierschutz, artgerechter Tierhaltung und Thriller, ist zwar eine gute, nette Kombination, jedoch wirkt das Buch zu überladen, nichts ist detailreich beschrieben, man tappt meist nur an der Oberfläche, hangelt sich von einer hereinpreschenden Handlung zur nächsten und vergisst dabei eines völlig: Die Frage, nach dem Warum. Trotz dessen, dass dieser Punkt so oft angesprochen wird von sämtlichen Kollegen und Che, einem Freund von Lina, in ihrem Umfeld, hat man kaum Zeit sich selbst darüber Gedanken zu machen, denn es folgt wieder eine Handlung.
Abwechslung bot die Achterbahnfahrt erst dann, wenn Passagen in kursiver Schrift eingeführt worden. Es handelt sich hier um Gedanken einer gefangenen Frau. Um die Spannung zu steigern, vermute ich. Doch spannend ist es erst geworden, als die Polizei wirklich in die Pötte kam, aktiver zu werden und Linas Alleingänge oder Handlungen generelles Stirnrunzeln bei mir verursachten.
Fazit?
Es ist sehr schade, dass der versprochene, tolle Klappentext bei weitem nicht der Spannung des Buches stand halten kann. Ich bedauere das sehr. Eingefleischte Thrillerfans können sich aber sehr gern selbst ein Urteil über das Buch erlauben.

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Der-Maedchenmacher-Thriller/Michael-Koglin/e440147.rhd

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6 Gedanken zu “Michael Koglin – Der Mädchenmacher

  1. bookeroo2012 schreibt:

    huhu, einen schönen Blog hast du.das Buch steht hier auch noch und wartet darauf gelesen zu werden.wird wohl langsam Zeit *g Wünsche dir weiterhin viel Spaß beim lesen und rezensieren.
    Lg Alex von Bookeroo

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