Katja Maybach – Die Nacht der Frauen

Katja Maybach schrieb bereits einige Schicksalsromane und hat dabei ihr eigenes selbst noch zu tragen. Als sie an einer schweren Krankheit erkrankte, widmete sie sich dem Schreiben und schon entstanden die Bücher, gerade das Buch „Eine Nacht im November“ ist etwas ganz Besonderes. Im März 2015 erschien nun Folgendes: „Die Nacht der Frauen“.
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Woher der Titel kommt, erfährt man gegen Ende des Buches. Es ist schicksalsträchtig wie eh und je. Dalia Rheinberg kehrt 20 Jahre, nachdem sie ihre Heimat verlassen hat, zurück. Ihr Vater, zu dem sie den Kontakt nach dem Selbstmord ihrer Mutter, abgebrochen hat, ist schwer krank und bittet sie wichtige Dokumente zusammen zu suchen bzw. sich anzusehen. Widerwillig kehrt sie zurück. Ihr Mann Tamás Marai, ein berühmter Pianist, ist auch wenig begeistert davon als sich bereits nach kurzer Zeit abzeichnet, dass seine Frau länger in der Villa ihrer Eltern verweilen wird. Die große Frage, die sich von Anfang an durch den Roman zieht, ist: Werden sich Tochter und Vater versöhnen? Schnell aber geht diese Fragerei an sich unter, als beschrieben wird, wie es Dalias Mutter früher ergang, wie es zur Hochzeit mit ihrem Vater gekommen ist und wie es in der Zeit politisch zuging.

Irene, Dalias Mutter, war die Tochter eines Schuhunternehmers, der die Firma beinahe vor den Bankrott führte und nur noch in Irene die Hoffnung sah, einen jungen, reichen Burschen zu finden, der sie alle aus der Misere bringen sollte mithilfe einer Hochzeit. Das geschah dann auch. Christian Rheinberg heiratete Irene, aber mehr aus Pflichtgefühl heraus, da nach ihrer einzigen und ersten Nacht bereits ein Kind entstanden ist – Dalia. Irene liebte Christian, hatte es immer getan, doch er sah es nicht und so wird von Maybach eine Farce einer Ehe beschrieben, etwas, was sich keine Frau wünscht. Dazu kommen die historischen und politischen Gegebenheiten. 1939 zu Zeiten von Adolf Hitler, als der zweite Weltkrieg nicht mehr auf sich warten ließ, nahm das Schicksal von Irene und ihrer Nachbarin und besten Freundin Leah ihren Lauf. Man glaubt gerade bei Leah nicht mehr an ein gutes Ende.

Was letztlich in besagter, titelgebender Nacht geschah, überraschte mich als Leser. Vorher habe ich es nie in Betracht gezogen, dass es zu dieser Lösung lediglich kommen musste, als es sich dann anbahnte, war alles klar. Damit steht fest: Warum Christian Rheinberg all die Jahre so wenig Bezug zu seiner Tochter aufbauen hatte können, warum Irene Rheinberg unheilbar an Depression erkrankte und keinen anderen Ausweg außer Selbstmord sah.

Zusammengefasst: Ein Szenario, wie man es sich nicht vorstellen mag. Und doch, dass es nachvollziehbar ist und glaubhaft. Maybach schreibt klar, flüssig, so wie man es sich wünscht als Leser, um in eine andere Zeit abzutauchen. Dass die Plastizität der Figuren nicht an Charme verloren hat, als die Nachvollziehbarkeit ab Hälfte des Buches zu kippen drohte, ist ein guter Verdienst der Autorin. Leah und Irene, Dalia sind alles gelungene Charaktere, Figuren, deren Verhalten durchaus nachvollziehbar ist. Doch das Entscheidende ist der Charakter von Christian. Spätestens ab dem Moment, wo er sich für die Schwester von Leah, Lavinia, zu interessieren beginnt, wirkt sein Verhalten nur noch bedingt menschlich, nicht nachvollziehbar im Kontext. Die Auswirkungen seiner Liebschaft, sein Zurückziehen und seine Kälte Irene gegenüber dagegen schon. Doch, dass man bereits nach kurzer Zeit von Liebe spricht seinerseits? Obwohl er doch eher der pflichtbewusste, gefühlsresolute Typ ist. Schon komisch. Es ist mir klar, dass gerade bei diesen Typen die Liebe sehr schnell einschlagen kann. Doch bei ihm wirkt es zu sehr konstruiert, zu sehr danach, dass es eben passieren muss, damit alles einen Sinn ergibt, so auch Maybachs gesamte Geschichte. Dazu kommt, dass niemand einen Groll gegen Lavinia hegt, noch nicht einmal Dalia, als sie davon erfährt, nicht einmal Gedanken macht sie sich um diesen Umstand, auch das passt mir nicht so recht ins Bild.
Doch bildet euch gern selbst eine Meinung.

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.droemer-knaur.de/buch/7982505/die-nacht-der-frauen

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2 Gedanken zu “Katja Maybach – Die Nacht der Frauen

  1. tinkerbellspricht schreibt:

    Ich bin da auch immer sehr skeptisch, aber um die Zeit historisch gesehen ging es gar nicht so richtig, das Schicksal ist da lediglich hineingepackt worden und bietet den Schrecken und eine Erklärung dafür, warum die Figuren so handeln, wie sie eben handeln. Vielleicht liest du das Buch einmal selbst und wir sprechen danach noch einmal darüber?

    Gefällt mir

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