Helene Henke – Menschenfischerin

Helene Henke kommt aus Krefeld und hat erst nach zwei Berufsausbildungen ihre wahre Liebe, nebst ihrem Ehemann versteht sich, gefunden – dem Schreiben. Bevor sie Krimiautorin geworden ist, hat sie sogar eine Vampirtrilogie veröffentlich. Ich selbst kenne dieses Buch zwar (noch) nicht, doch das, worum es in ihrem aktuellen Buch „Menschenfischer“ geht, ist grausam und schaurig zugleich und stellt das Thema der altertümlichen Vampire (auch wenn sie laut Beschreibungen von Henke nicht so aufgefasst werden sollen in ihrer Trilogie) auf eine Stufe für mich.

helenehenkemenschenfischer
Im „Menschenfischer“ geht es um Deutschlands jüngste Bestatterin, Zoe Lenz. Sie ist blutjunge 20 Jahre alt, eine Meisterin im Herstellen von Totenmasken und erlangte seines Zeichens nach Berühmtheit aufgrund der Morde in Birkheim, ihrem Wohnort, indem ihre Mutter ihre jugendlichen Peiniger umbrachte und nun des Mordes wegen in Haft sitzt. Zudem befindet sich ihre Mutter in permanenter therapeutischer Behandlung. Der Grund hierfür wird erst im späteren Verlauf des Buches geliefert.
Anfangs wirken die Zusammenhänge wie einzelne Fäden nebeneinander, die doch durch gewisse Dinge miteinander verwoben sind. Zoe hat in ihrem Bestattungsinstitut eine Praktikantin beschäftigt, die einige merkwürdige Züge an sich hat, welche Zoe aber akzeptiert. Ihr Freund, Leon, Kripobeamter in Mainz, dagegen, kann besagte Praktikantin, Alina, jedoch nicht ausstehen. Schon gar nicht, nachdem sie ihn versucht hatte zu küssen – damals. Vor ewigen Zeiten. Doch das weiß Zoe nicht, jedenfalls noch nicht. Alina verschwindet jedenfalls spurlos, mehrere Tage. Zoe hingegen macht sich daraufhin große Sorgen, gibt sogar eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf. Normal ist es für Alina nicht, solange verschwunden zu bleiben.
Irgendwann häufen sich die Ereignisse in Birkheim. Zwei übel zugerichtete Kinderleichen werden gefunden, fast völlig verwest treffen diese in Mainz im Team von Leon ein. Dieser benötigt Zoes Hilfe und Talent beim Rekonstruieren des Gesichtes, sodass Zoe einige Tage in Mainz verbringt. Anschließend sollen die Kinder zu ihr überführt werden, was zwar geschieht, doch lange bleiben sie nicht im Bestattungsinstitut. Sie werden gestohlen. Alina bleibt hingegen immer noch verschwunden. Dazu kommt, dass Zoe vorher bei der Tochter einer anderen verstorbenen Frau / Bekannten, erfahren hat, dass früher in Birkheim eine Sekte ihr Unwesen getrieben hatte. Besagte Sekte ist als eine Horde „Hippies“ ständig bezeichnet worden, über sie wird aber kaum geredet, jeder verschweigt deren Existenz. Als Zoe nach und nach immer mehr über die sogenannten „Lichterkinder“ herausfindet, ahnt sie bereits, dass es eine Verbindung zu den Kinderleichen geben muss.
Das schlimmste dabei ist nur, dass die geahnte Verbindung von ihr zwar die Offensichtlichste ist, aber nicht die, die die Sekte mit Zoe und umgekehrt in Verbindung bringt. Denn die „Lichterkinder“ wollen Zoe.
Mit diesem Hintergrund spitzt sich der Roman immer mehr zu und gewinnt nach einem langwierigen Anfang endlich an Fahrt. Fanatisch, religiöse Umstände werden sachlich und logisch geschildert. Es fällt leicht, dem ganzen Geschehen zu folgen und vor allem: dem religiösen Hintergrund. Es ist ein brisanter Roman über religiösem Fanatismus, gerade in der heutigen Zeit. Jedoch ist der religiöse Hintergrund mir zu allgemein noch geblieben, er hätte sicherlich noch intensiver in die Geschichte eingebaut werden, mehr Fakten über Birkheim hätte ich mir auch gewünscht. Dagegen ist die kleine Liebesallüre zwischen Zoe und Leon ein nettes Auflockerungsbeispiel im Buch, es ist nicht zu kurz oder gar zu lang geworden und der Schwerpunkt lag bei Henke eindeutig bei der eigentlichen Story. Der Titel „Menschenfischer“ symbolisiert, wenn man im Nachgang die Thematik verinnerlicht, ganz klare Worte: Menschen werden ausgesucht, Menschen werden gefischt. Menschen werden verteilt. Menschen gehen Menschen ins Netz. Es ist der ultimative Hinweis zu den „Lichterkindern“. Und vor allem ein sehr titelträchtiger Name. Ein toller Name. Henkes Worte sind an zugegebenermaßen allen Stellen sehr klar formuliert worden, und sehr eindringlich. Ihr Stil ist gut, er lässt sich flüssig lesen, was nur dazu beiträgt, das Buch als nettes Stück mit fadem realistischem Beigeschmack in seiner Tasche mit sich herumzutragen bis zur letzten Seite.

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.droemer-knaur.de/buch/7985695/menschenfischer

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