Judith W. Taschler – Die Deutschlehrerin

Die Autorin selbst bezeichnet ihr Buch selbst in einem Interview bei „Kriminetz“ (http://www.kriminetz.de/news/sieben-fragen-judith-w-taschler) als „Liebesgeschichte der anderen Art“. Die Österreicherin verknüpft geschickt die Handlungsstränge mehrere Genre miteinander, sodass man sich nicht entscheiden kann, in welche Kategorie ihr Buch denn nun passt. Nach dem Lesen des Buches würde ich auch so einen Kommentar meinerseits wiederum nur antworten: Das Leben hat von allen Genren, Phasen und Episoden etwas für jeden Menschen über. Wir unterscheiden uns nur im Umgang mit den Dingen.

judithwtaschlerdiedeutschlehrerin
So auch unsere Hauptprotagonistin Mathilda. Sie ist Deutschlehrerin und liebt ihren Beruf. Locker und mühelos konnte sie sich und ihren Schrifstellerfreund und Partner Xaver ernähren, alles finanzieren und sich und ihm ein schönes Leben bieten. Doch nach und nach wankt es innerhalb der Beziehung, man ist sich uneinig und so kommt es, dass Xaver Mathilda Hals über Kopf verlässt. Einige Wochen nachdem er es mit seiner Trilogie, die er übrigens mit Mathilda zusammengeschrieben hat, unterbekommen hat. Einfach so. Mathilda steht vor dem Nichts, kann nicht vor und nicht zurück. Über eine ihrer Schülerinnen erfährt sie über deren Zeitung, dass Xaver nach einigen Monaten bereits eine andere Frau heiratet. Diese sei schwanger. Von ihm. Für sie bricht eine Welt zusammen.
Erst hier setzt das Buch an. Taschler schildert wie beide, Mathilda und Xaver, nach und nach wieder zu einander finden, wie sie das, was auf anfänglichem Zufall beruhte, als geschickt eingefädelt betrachten im Nachhinein. Erst sind es Mails der Beiden, die man in Dialogform miterleben kann, weiter geht es mit Begegnungen, Gesprächen, Streitereien, oder Erzählungen. In allen Kapiteln, die meist recht kurz ausfallen, lernt man beide immer näher kennen. Ihre eigenen Phasen der Beziehung, die eigenen Ansichten von damals oder sie erzählen sich selbst ausgedachte Geschichten. Denn beide lieben Geschichten und sie lieben Bücher. Es ist die Liebe zum Wort, die sie nie wirklich getrennt hat. Man spürt, dass beide noch viel mehr Gefühle in sich tragen aus vergangener Zeit und ja, auch während des Lesens spürt man sie. Auch bei den beschriebenen Begegnungen von Taschler. Man hofft und fiebert mit.
Taschler überrascht durch eine Nebenhandlung, die nach und nach erzählt wird und zum Mittelpunkt der Gespräche werden. Das Kind, das Xaver mit Denise, der anderen Frau, hat, wurde damals entführt. Laut der Polizei. Die Tragödie in allem kommt im Nachhinein heraus und wenn man bedenkt, dass sich zwei Menschen wirklich lieben, und der eine den andere kennt, ist es schon erschreckend, wann derjenige bemerkt, ab welchem Teil der andere sich selbst etwas vor macht. Das mag sich vielleicht kryptisch anhören, ist es aber nicht, wenn man meine Passage vielleicht nach Vollenden des Romanes von Taschler liest. Die Tragödie liegt im Detail. Das Genre des Krimis kommt dem ganz Nahe, getrieben wird der Roman aber von einer anderen Größe: Dem Schicksal zweier sich liebender Menschen, und dem Leben, das kaum vorhersehbare Sachen für den Einzelnen immer wieder parat hält.
„Die Deutschlehrerin“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie Menschen mit Literatur verbandelt werden können. Sie ist über dies auch ein Beispiel dafür, dass Bücher, die sich um Literatur drehen, gern auch so aufgebaut sind wie eine eigene Literatur, wie ein eigenes Theaterstück. Wörtliche Rede, Kursiv, Schriftstücke, selbstgeschrieben Briefe, die die Vergangenheit oder gar eine andere Geschichte in der Geschichte erzählen. Grenzen von Genres vermischen sich hierbei gern. Mal sieht man es vordergründig als ein Liebesroman, ein anderer sagt „Krimi“ dazu? Und, was sagt ihr?

Vielen Dank an Droemer & Knaur für dieses Buch!

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.droemer-knaur.de/buch/7985706/die-deutschlehrerin

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3 Gedanken zu “Judith W. Taschler – Die Deutschlehrerin

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