Jan Reschke über „Die Ummauerte Stadt“

TINKERBELL: Wie beschreibst du dich selbst als Menschen und wie denkst du, würdest du selbst mit einer totalitären Situation ähnlich deines Romanes umgehen? Wo liegen deine Stärken und Schwächen und was wäre das schlimmste, was dir passieren könnte?

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JAN RESCHKE: Generell würde ich mich als friedfertigen Menschen beschreiben. Allerdings wurde meine Friedfertigkeit auch noch nicht wie die von Jeremiah auf die Probe gestellt. Und genau das ist die spannende Frage: Wie würde man in so einer Situation reagieren? Wenn man prinzipiell nicht gewalttätig ist, die Umstände einen aber zum Handeln zwingen. Es ist das Dilemma, in dem sich der Protagonist Jeremiah fortwährend befindet.
Wie ich also in so einer Situation handeln würde? Ich weiß es nicht.

TINKERBELL: Wie sieht dein Alltag aus? (Was führte dich ggf. von dem Studium der Sportwissenschaften zum Schreiben…? Bzw. als Sportlehrer zum Schreiben)

JAN RESCHKE: Mein Alltag wird zunächst einmal durch meine Tätigkeit als Lehrer bestimmt. Bevor ich Lehrer wurde, habe ich viele Jahre als Redakteur gearbeitet, unter anderem bei Spiegel Online. Das Schreiben war also ebenfalls lange Zeit Teil meines Alltags, wenngleich man das Verfassen von Artikeln nicht mit dem Schreiben eines Buches vergleichen kann. Allerdings habe ich in meiner Zeit als Journalist viel über das Handwerkszeug des Schreibens gelernt. Das hilft mir noch heute. Irgendwann kommt man an den Punkt, da möchte man mehr als nur einen kurzen Text schreiben. Wobei ich schon vorher viele Ideen für Bücher hatte und auch heute noch ständig habe. Leider werde ich aufgrund von Zeitmangel wohl nur die wenigsten umsetzen können.

TINKERBELL: Was möchtest du mit deinen Büchern erreichen, worin liegt die Intention des Schreibens für dich?

JAN RESCHKE: Grundsätzlich möchte ich gut unterhalten. Denn wenn ich ein Buch lese, möchte ich ebenfalls gut unterhalten werden. Wenn ich es schaffe, dass sich Menschen mit meinem Buch beschäftigen und sie am Ende zu dem Ergebnis kommen, dass sich die investierte Zeit gelohnt hat, habe ich viel erreicht. Wenn die Leser am Ende aufgrund des Gelesenen noch zum Nachdenken angeregt werden – umso besser.

TINKERBELL: Wie ist die Idee der Ummauerten Stadt überhaupt entstanden?

JAN RESCHKE: Ich habe das Buch nicht am Reißbrett geplant. Ich hatte eine Idee, um die sich das Buch entwickelt hat. Bei der Entstehung rund um die Idee hatten von mir gelesene Bücher den größten Einfluss. Am meisten haben mich bei der „Ummauerten Stadt“ Klassiker wie „1984“, „Schöne neue Welt“ oder „Picknick am Wegesrand“ geprägt. Aber auch gänzlich andere Werke wie der Baader-Meinhof-Komplex haben eine Rolle gespielt. Die Entstehung war in einem ständigen Fluss – als ich das Buch begonnen habe, hatte ich sogar eine Alienrasse geplant. Wenn ich mir das heutige Resultat ansehe, eine absurde Vorstellung.

TINKERBELL: Mit welchem Protagonisten identifizierst du dich am meisten?

JAN RESCHKE: Identifizieren ist das falsche Wort. Ich kann mich mit keinem meiner Protagonisten zu hundert Prozent identifizieren – allerdings viele ihrer Beweggründe, Handlungen und Gedanken nachvollziehen. Jeremiahs Zwiespalt zwischen dem Drang, etwas verändern zu wollen und dem Widerwillen Gewalt anzuwenden beispielsweise. Ich denke, das ist eine Situation, in der man nicht häufig steckt: zwischen zwei Optionen wählen zu müssen, die einem beide zuwider sind und schwerwiegende Folgen haben.

TINKERBELL: Wie stehst du selbst zu deinen kritischen Ansätzen, was totalitäre Systeme betrifft? Worin siehst du die Zukunft in heutiger Zeit?

JAN RESCHKE: Die Frage ist, ob wir unsere subjektiv gefühlte Freiheit nicht schleichend verlieren und irgendwann an einen Punkt gelangen, an dem es sehr schwer wird gegenzusteuern. Weil wir dann so umfassend überwacht werden, dass ein Gegensteuern schwierig werden würde.

TINKERBELL: Woran orientiert sich deine Namensfindung – Kanzler Faltenmeister, Herr Schneider + Herr Schmidt (altdt. Namen) und dann Goran?
JAN RESCHKE: Schmidt, Schneider, das sind Allerweltsnamen. Es kann jeder sein. Diese Allerweltsnamen tragen nur Personen des Werks. Ihre Sinnbilder in Form der Werksleiter suchen nur den eigenen Vorteil und leben auf Kosten anderer. Es gibt viele Menschen, die so sind. Sehr viele. Und die Frage ist, ob man in so einer schwierigen Situation wie in der „Ummauerten Stadt“ nicht auch so eine Person sein könnte. Der Name Faltenmeister wiederum symbolisiert den Charakter des Politikers, der sich einzig um sein eigenes Wohlergehen und weniger um die Belange der Bevölkerung sorgt. Er kümmert sich vor allem um Falten auf seinem Gewand.

TINKERBELL: Gibt es irgendetwas, dass du deinen Lesern noch mit auf den Weg geben möchtest?

JAN RESCHKE: Ich denke, es wäre anmaßend, Menschen Ratschläge zu erteilen, die ich nicht kenne.

TINKERBELL: Vielen Dank, Jan, für deine Zeit.

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