Kai Meyer: Die Seiten der Welt

KaimeyerdieseitenderweltKai Meyers Einzelband „Die Seiten der Welt“ lässt im wahrsten Sinne des Wortes die reale Welt um sich herum vergessen. Er fasziniert mit seiner eigenen phantastischen Welt, in der Bücher der Mittelpunkt des Lebens und der hiesigen Welt sind. Es ist ein absolutes Schmankerl und Muss das Buch zu lesen für jeden Bücherliebhaber. Für jeden, der wissen will, warum Bücher so elementar wichtig sind und warum es so viele Büchernarren gibt – dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

Meyer überzeugt auch in diesem Werk mit seiner grenzenlosen Fantasie beim Erschaffen einer völlig neuen Welt, einer völlig neuen Weltordnung und phantastischer Figuren. Er überzeugt weiterhin mit einem sehr beschreibenden, durch Dialoge intensivierten Schreibstil. Es gibt keine Passage, die auch nur zähflüssig wirken konnte wie in seinen bisherigen Romanen. Er gleitet zwischenzeitlich vom allwissenden zum personalen Erzähler über, sodass man mit den Figuren und Charakteren mitfiebern kann, sie quasi so erlebt, wie sie sind. Man fühlt es. Und ist dabei.
Auch vom Cover her ist Meyers Werk wirklich anschaulich. Leuchtend sticht es durch die goldene Schrift zwischen anderen Büchern hervor und erweckt allein schon mit dem Titel die Botschaft: „Ich bin das Buch der Welt“.

Hauptprotagonisten Furia Salamandra Faerfax entstammt einer Familie aus Bibliomanten. Auch sie trägt die Gabe und Energie in sich, selbst eine zu werden, doch sie wartet mit ihren knapp 15 Jahren noch auf ihr Seelenbuch, um als vollerwertige Bibliomantin zu gelten. Sie wächst in einer Villa mit ihrem Bruder Pip, der übrigens kein Bibliomant ist, und ihrem Vater in einer abgelegenen Villa auf. Pip interessiert sich wenig für Bücher, Furia dagegen umso mehr. Gern taucht sie ab in die Bibiliothek, die schier endlos erscheint, wie man sich erzählt und auch später eine tragende Rolle spielen wird. Im Verlauf der Handlung lernt man vieles über die Welt, in der die Faerfaxes leben, kennen. Die Hauptstadt ist Libropolis, die mit einer Brücke zu London direkt mit der realen Welt verbunden ist und in der sich Büchernarren und ein jeder, der mit Büchern etwas zu tun hat, heimisch fühlt. Dort findet man auch Ex Libri, sogenannte den Büchern entsprungene Figuren aufgrund der bibliomantischen Energie, die dort gern in Ghettos gesehen und verfolgt werden. Dabei können sie nichts dafür und leider auch nicht zurück in ihr Buch und müssen sich mit ihrem Leben und Schicksal eben abfinden. Daneben lernt Furia über ihren Vater und andere, die sie später kennenlernt auch über die Adamitische Akademie kennen. Eigentlich ist ihr richtiger Nachname Rosenkreuz. „Faerfax“ ist lediglich ein Deckname. Furias Familie hat einen Vorfahren, der die Entschreibung der Bücher entstehen lassen hat, aufgrund dessen sind die Rosenkreuz in Ungnade gefallen und werden heute noch verfolgt von der Akademie, die naütrlich der Annahme ist, dass die ganze Familie mit Siebenstern, dem Schöpfer der Entschreibung, unter einer Decke steckte. Um die Familienehre wieder herzustellen, macht sich Furias Vater samt seiner Tochter auf den Weg und die Suche nach den „Leeren Büchern“. Sie vernichten sie mit besonderer Tinte und hoffen so, der Entschreibung zuvorzukommen, die irgendwann anstehen könnte. Im Verlauf der Geschichte beginnt alles ganz harmlos bis zum letzten Mal, als sich Vater und Tochter auf die Reise zum nächsten „Leeren Buch“ machen. Dort stirbt Furias Vater. Die Suche nach dem richtigen Mörder, dem Verständnis für diese Tat geht los. Furia kommt zurück in das Anwesen und muss mit Pip flüchten.

Nichts ist wie es scheint, Furia wird ohne ihren Vater nur noch schwer allein klar kommen. Als dann noch Pip entführt wird bei der Flucht, stößt Furia an ihre Grenzen und sucht in Libropolis nach Rat. Und geht zu dem Mann, den ihr Vater in seinen letzten Atemzügen als Hilfe in Not genannt hat. Nur ihm traut sie nicht. Inmitten der Welt voller Bibliomantik und Büchern taucht man als Leser ein in die wahre Phantastik, die Meyer grandios erschaffen hat. Furia wächst als Person aus sich heraus, überwindet ihre Grenzen und fängt an zu verstehen, warum ihrem Vater das alles angetan wurde, warum vieles in dieser Welt der Bücher erst so sein musste.

Der Spannungsbogen wird stets aufrecht erhalten. Jede Beschreibung ließ die Phantastik nur so glenzen, man fand jedes Mal etwas Neues, was einen an dieser Welt so bezaubern konnte. Leider liegt der Fokus in diesem Buch auf viel negativen Dingen, die das Schöne überwiegen. Furia hat nicht viel zu Lachen, sie lernt zwar echte Freunde kennen, die ihr auch helfen Pip zu befreien. Doch das Buch über und im Verlauf der Handlungen geht es um viel mehr. Viel Kraft und Energie werden von allen Beteiligten abverlangt, Sorglosigkeit ist dabei fehl platziert. Eine fröhliche Geschichte über die Liebe zu Büchern sollte bei „Die Seiten der Welt“ nicht erwartet werden.

Hier geht’s zum Verlagslink: http://www.fischerverlage.de/buch/die_seiten_der_welt/9783841421654

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