Stephanie Urbat-Jarren: Seelenband

Es fesselt dich.

Lässt dich nicht los.

Bringt deine Gefühle in Wallung.

Hält deinen Verstand in Stallung.

Genau so empfindet es die Protagonistin des neuesten Werkes von Stephanie Urbat-Jarren.

Genau darum geht es in „Seelenband“. Es geht um die bewusste, realistisch angebrachte Darstellung des Innenlebens einer Geliebten, der Affäre irgendeines Mannes.

Es geht trotz des dargestellten Beispiels von Frau Urbat-Jarren, vor allem darum, dass sich nichts an der Stellung einer bloßen Geliebten ändern wird, trotz all der Hoffnung, trotz all der Überzeugungsarbeit des Mannes, dem – in der herkömmlichen Art und Weise, zwei Frauen ihr Herz schenken. Zwei Frauen schenken ihm ihren Glauben und er handelt trieborientiert, seinem Verständnis nach natürlich loyal, ehrlich – denn er kann seine Gefühle nun nicht ändern.

Richtig?

Das, was bei vielen Frauen ein ewiger Kreislauf ist, aus dem nur die wenigsten herausfinden, wird hier dargestellt. Der ewige Kreis, welcher sich nicht öffnet.

Nach Beendigung dieses wohltuenden, mich zu Tränen rührenden Romanes bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass genau solchen Frauen, welche tief in ihrem Herzen wissen, sie sollten dem Verstand dennoch eine Chance geben, es jedoch noch nicht tun – diese Frauen sollten sich dieses Werk kaufen müssen, um sich und ihrer Seele wenigstens noch eine kleine Chance einzuräumen, um von der Stellung als Geliebte endlich loszukommen.

Überzeugt war ich nicht von Anfang an.

Der Titel mag interessant, und anders klingen in Bezug auf die Handlung, welche sich auf dem Buchrücken befindet, doch ich war skeptisch.

Vom Aufbau her, was die Kapitelüberschriften betrifft, ähnelt es sehr den Entstehungsgründen der üblichen Anfänge von Affären, an sich also nichts besonderes außer – der subtilen Sexualität. In Urbat-Jarrens Fall sind diese wiederum hübsch verpackt in Erzählungen aus der Ich Perspektive unserer Protagonistin; beginnend mit dem „Vorspiel“, dem „Vorher“, das Finden des „Traummannes“ und dem „[… Ersten] Mal“ (S. 51). Hier sind bereits die Stufen der Entwicklung eines „Seelenbandes“ erkennbar, vertretbar.

Die Situation wird nicht mit Belehrungen und Weisheiten, nicht mit den Worten, welche wohl eine beste Freundin jeder Geliebten erzählen würde, geprägt oder gar dargestellt. Sie wird untermalt mit dem Innenleben der Figur.

Hierbei ist zu beachten: Es spielt keine Rolle, wer es ist. Aus welchem Milieu, welcher Stadt oder welchem Land sie kommt. Jede Geliebte kann sich in der von Urbat-Jarren geschaffenen Figur wiederfinden – sei es als die verträumte, hoffnungsvolle Nachbarin von Nebenan, oder als die Bäckersfrau, welche noch nie an eine intensive Liebe geglaubt hat und dann plötzlich passiert es: Sie wird eingesogen. Sie „[…] verstand selbst nicht mehr, wie ein Mann es schaffen konnte, [sie] so sehr zu beeinflussen.“ (S. 72)

Faszinierend sind die intensiven Gefühlsbeschreibungen – in kleinen in sich verpackten „Konferenzen“, wirken sie in sich selbstständig und besprechen dennoch die stimmige Gefühlslage der sich steigernden Bindung zum Geliebten. Gerade dadurch, dass der Leser von außen nüchtern betrachtet, Einblick in diese Lage bekommt, gerade diese Symbolhaftigkeit und Personifizierung der verschiedensten mit Affären einhergehenden Gefühlen wie Wut, Verzweiflung, Erotik, Fantasie, Liebe, des Ausdruck Hohnes, der Romantik, der Gleichgültigkeit und Euphorie, der Kraft und des Vertrauens, der Zuversicht, des Wahnsinns und der Trauer, wird eine Akzeptanzd und Verständnis einer Geliebten geschaffen.

Denn: „[Diese] Geschichten waren immer Dialoge zwischen den verschiedenen Gefühlen und der Seele.“ (S.22)

Fazit?

Wer keine subtile Frauenromantik lesen will, ist hier richtig.

An alle Ehemaligen oder Noch-Geliebten – lest dieses Buch und ihr werdet befreit sein und die sonst so unsicheren, verschwommenen Dinge klarer sehen.

Für all diejenigen, welche sich zwar nicht als Herzspieler sehen, doch aber als entscheidungsunfreudig, lasst euch gesagt sein: Ihr versteht nur dann eure Geliebte, eure Heimlichkeit, wenn ihr „Seelenband“ von Stephanie Urbat-Jarren lest.

Nur dann öffnet sich auch euer Herz.

Abschließend bleibt für mich übrigens noch eine Frage – Ist es möglich, dass unsere Stephanie Urbat-Jarren, nicht selbst einmal Geliebte eines Mannes gewesen ist?

Wer sich mit ihrer Biographie und den Hintergrundinformationen der starken, fantasiereichen Figur in Ihrem Werk befasst, stellt schnell fest – es gibt Parallelen.

Und das liegt nicht ausschließlich an dem guten, sich flüssig lesenden Schreibstil und dem unbewussten Verständnis, trotz der von ihr erwähnten Recherchen hinsichtlich des Innenleben diverser Geliebter.

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