Ramon Schack & sein Buch „Neukölln ist nirgendwo“

Ramon Schack, Du arbeitest seit vielen Jahren als freier Journalist,für deutsche und internationele Zeitungen.

Jetzt wurde Dein Buch“Neukölln ist Nirgendwo“ veröffentlicht.Wie lebt es sich nun mit dem ersten eigenen Werk in der Hand? Wie hat Dein Bezirk darauf reagiert?


RS:
Das Leben besteht aus Erfahrungen, beruflich wie privat.Nach dem Erscheinen des Buches habe ich diesbezüglich ein paar neue interessante Erfahrungen sammeln dürfen.

 

Der Bezirk Neukölln hat über 300.000.Einwohner, ist also bevölkerungsreicher als manche deutsche Landeshauptstadt

Die ethnische, religiöse, weltanschauliche und subkulturelle Vielfalt Neuköllns ist in Deutschland nahezu einmalig.

Aus diesen genannten Gründen kann ich keine Antwort darauf geben, wie „der Bezirk“ auf mein Buch reagiert hat.

Die Presse und die Kritiker in den regionalen, überregionalen und internationelan Medien waren bisher überwiegend positiv, was mich doch etwas überrascht hat.

Auf meinen Lesungen reagierten die Leser sehr interessiert, es kam zu lebhaften Diskussionen, was auch daran liegt, dass sich viele Bewohner Neukölln nicht mit den Thesen Buschkowskys, die dieser in seinem Buch“Neukölln ist überall“ formulierte, identifizieren können, noch deren Lebenswirklichkeiten reflektieren.

„Neukölln ist Nirgendwo“ wurde intensiv in der Presse besprochen, Du selbst wurdest von vielen Zeitungen und Radio-Stationen interviewst.
Wie kam es zu diesem großen öffentlichen Interesse?

R:S:
Nun, einige Beschreibungen dieses Buches trafen einen Nerv, insbesondere die Geschichte von der Putzfrau Anka, bzw. deren Kündigung.
Die Tatsache, dass ich mir vorher schon einen Namen als Journalist gemacht hatte, war sicherlich auch ein wenig hilfreich.

Wie beschreibst Du die Stimmung deines Bezirkes und warum?

R.S:
Ich beschreibe in dem Buch keine Stimmung, Stimmungen unterliegen ja regelmäßigen Schwankungen, sondern liefere im besten Fall ein Stimmungsbild, aber ohne Beschreibung, indem ich einige Bewohner Neukölln zu Wort kommen lasse, unkommentiert, auch ohne Zensur.

Viel eher handelt es sich bei dem Buch um eine Momentaufnahme, über einen der aufregendsten Orte der Republik, auch als Ergänzung zu dem erwähnten Buch des Bezirksbürgermeisters.
Es steht außer Frage, dass genau diese Stimmen in Deinem  Buch. Stellung bezogen haben zur derzeitigen Situation. Wie siehst du es, was hat sich seit der Veröffentlichung geändert, hat sich überhaupt etwas geändert?

RS:
Es wäre sicherlich etwas anmaßend, wenn man als Autor davon ausgeht, man könnte etwas verändern. Wenn überhaupt, dann scheint die öffentliche Debatte um Neukölln doch etwas ausbalancierter zu sein.
Hat sich vielleicht Buschkowsky selbst über „Nachrichten aus seinem Bezirk“ geäußert?
RS:
Nicht in meiner Gegenwart, da Herr Buschkowsky für ein Treffen mit mir angeblich keine Zeit hatte.Allerdings hörte ich neulich von einer Kollegin, die wie er Gast in einer TV-Talkshow war, dass er sich mächtig über mein Buch aufgeregt haben soll.  Ich weiß nicht, ob das stimmt. Heinz Busckowsky ist auf jeden Fall kein Mensch, trotz seiner Verdienste, der besonders gut mit Kritik oder anderen Meinungen umgehen kann.
Wo siehst Du Höhen und Tiefen in Deinem Bezirk – was muss getan werden noch?

RS:
Was man vor allem tun müßte,dass ist an der öffentlichen Wahrnehmung arbeiten,also am Image des Bezirkes.
Dann halte ich nachbarschaftliches Engagement, wenn es dann konsequent betrieben wird, für einen Lösungsansatz, um soziale Probleme zu verringern.
Das von mir in dem Buch geschilderte Beispiel von Morus e.V, sollte durchaus Schule machen. Ausgerechnet solch eine Einrichtung wird von Buschkowskys Bürokratie ignoriert.Ein Skandal.

Wo Siehst du Neukölln in zwanzig Jahren?
RS:
Immer noch dort, wo sich der Bezirk heute noch befindet, im südlichen Bereich der Hauptstadt Berlin.

Die unterschiedlichsten Menschen zählen zum Inhalt Deines Sachbuches, sicherlich bewusst gewählt. Worin bestand für dich die Schwierigkeit all die verschiedenen Eindrücke bzw. Erzählungen von so viel Differenziertheit unterzubringen?

Hast du allen eine Stimme gegeben, mit denen du gesprochen hast?
RS:
Nein, ich habe nicht allen eine Stimme gegeben, sondern eine Auswahl getroffen. Schwierigkeiten gab es diesbezügich keine, da ich schon immer auf Menschen zugegangen bin. Dabei finde ich es besonders spannend, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die ansonsten nicht in meinem beruflichen oder privaten Umfeld auftauchen. Neukölln bietet sich dafür hervorragend an.

Wie wird Dein neues Buch ausfallen, worum geht’s und worauf dürfen Wir uns einstellen?
RS:
Ihr dürft Euch auf einen spannenden Tatsachenroman einstellen,  der Euch von den Abgründen der Gosse, bis zu den Vorhöfen der Macht führt.
Mehr kann ich darüber noch nicht verraten, ich bitte um Verständnis.

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