Jeannette Peters: Versklavt, verkauft — fast verbraucht?

Versklavt, verkauft, fast verbracht – das sind zentrale Themenschwerpunkte in „Blutmond“ von Jeannette Peters. Es handelt sich hierbei um den ersten Teil einer Trilogie um das Leben von verschiedensten Vampiren, deren Facettenreichtum bei Weitem die „Twilight-Klischees“ übertrifft.


Joleen hat, in diesem ersten Teil von Peters, als Hauptprotagonistin die Rolle, um die sich alles dreht, wendet und windet. Sie wird an Zacharias‘ Vampirclan verkauft – von ihrer eigenen Mutter. Sie ist das
erste Kind des Clans, das für deren Zwecke erzogen werden soll. Das Heranzüchten von Blutsklaven und Bluthuren steht im Fokus hierbei.
Die Frage, was für einen gewaltigen Hass eine Mutter dem eigenen Kind gegenüber empfinden kann, bleibt im Raum stehen und treibt den Leser schier in Fassungslosigkeit und Entsetzen. Denn Martina, Joleens Mutter, wird dem Clan und ihrer Tochter nicht den Rücken kehren.

Sie wird, aus der immer noch fortwährenden Liebe der, damals noch fünfjährigen, Joleen heraus, aus dem Leben geholt und in einen Vampir verwandelt. Man sollte meinen, sie würde Dankbarkeit
empfinden, dass ihre Tochter ihr das Leben gerettet hat. Doch weit gefehlt.
Sie bestimmt nachhaltig Joleens Leben und ist eine der größten Gefahren für diese.

Die vielen wörtlichen Reden, gepaart mit ausführlich beschriebenen Sexszenen, tragen dazu bei, einen unglaublichen Lesefluss hervorzurufen. Doch manch eine Erklärung über das Leben der Vampire hätte dem personalen Erzähler sicherlich noch einiges an Punkten gebracht, ebenso einige weniger beschriebenen Phasen des Detailreichtums beim Sex. Nichtsdestotrotz ist
auch dieser sehr facettenreich beschrieben und Szenen des, weit in Literatur umstrittenen, Bereiches des SM / BDSM variieren das Ganze in ihren harten und weichen Formen. Es sorgt unter anderem auch für eine gewisse Abwechslung, doch das Gefühl, dass Figuren sich ausschließlich durch Sex definieren bzw. wachsen, bleibt, auch wenn ich mir durchaus dessen bewusst bin, dass die verschiedensten Handlungsstränge, mit überlagernden Gefühlen, zum Reife- und Wachstumsprozess von Joleen durchaus einen großen Beitrag geleistet haben.

Die Autorin wechselt immer nach kurzer Zeit den personalen Erzähler. Es wird stets aus der Sicht der Clan-Mitglieder um Zacharias geschrieben, jeweils in Joleens Altersabschnitten. Es ist hierbei die Rede von Perspektivwechseln der Sichtweisen von agierenden Nebenfiguren – Vampire um Zacharias, zu nennen wären unter anderem: Zacharias, Fayn, Cirruy, Agente, Nikolaus und auch Martina. Denn für einige Jahre ist Martina von Nikolaus´ Seite nicht mehr wegzudenken. Nach kurzer Gewöhnung sind
die, inhaltlich aufeinander aufbauenden, Perspektivwechsel auch kein Störungsfaktor im Lesefluss mehr.

Peters´ erzählt hier den Kampf um das Leben eines kleinen Mädchens, das der Mutterliebe, aus Sicht dieser, nicht würdig ist und fortwährend um diese kämpft. Nur schwer schafft sie es, sich von dieser Liebe zu lösen. Zach’s Hilfe ist ein wichtiger Bestandteil davon. Kann es möglich sein, dass die Liebe zwischen einem Menschen und einem Vampir existiert? Oder zwischen Blutsklaven und Vampiren?

Die Liebe ist im ersten Teil nur einer der zentralen Punkte auf den 423 Seiten.
Doch in erster Linie ist es keine schnulzige, alles rettende, Liebe. Keine, die nur aufgrund von märchenhaften Beschönigungen besteht. Es sind Liebesstufen, die aufeinander aufbauen und voneinander abhängig sind und zu der Charakterentwicklung von Joleen gehören. Es geht um die Liebe zwischen Mensch und Vampir, Mutter und Tochter, Blutsklaven und Vampiren, es geht um die freundschaftliche Liebe zwischen Vampiren untereinander und um Menschen, die ihr Blut, zur Lust der Vampire, zur Verfügung stellen. Das Blut brauchen diese zum Leben, zum Fühlen. Und es geht in diesem Buch immer um Gefühl.

Schlagworte, die das Buch behaften wie ein klebriger Honig, ohne dass sie zu viel verraten würden, wären hierbei: Rache, Blutlust, Blutrausch, Clans und Kampf.

Adaptiert man die fantastisch erzählten Fakten und die dualen Systeme der Bluthuren und Blutsklaven in das heutige, reale Gesellschaftssystem des 21. Jahrhunderts und des Jahres 2013, landet man in einigen Punkten im Bett der Kritik des Rotlichtmilieus.

Übrigens: Erklärende Beschreibungen, warum Themen wie das „Swingen“ oder Formen des SM / BDSM nichts mit dem, auch in unserer Gesellschaft negativ behafteten, Wort „Vergewaltigung“ zu tun haben, folgen bei Peters.
Fazit? Kritik am hiesigen realen System wird in einer fantastischen Twilight-fernen Gegend gesucht. Vampire, die nach Blut und Menschlichkeit lüstern, stehen im Fokus. Warum sie weiter um ihre eigene Existenz bangen müssen und das Gefühl der Angst auch noch beim Leser nach Ende des ersten Teils bleibt, erfahren Sie beim Lesen von „Blutmond“ von Jeannette Peters.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s