Carla Norton: „Und nachts die Angst“ – Vorhang auf, die Psychologie steht hier im Mittelpunkt

Auf nur 397 Seiten meistert die Debütin der Crimeszene ihren ersten literarischen Thriller-Auftritt, wobei sich die Psychologie in ihrem Thriller stets an die Logik hält und im Vordergrund steht. Dies ist bei vielen mir bekannten Krimis selten der Fall, oft dominiert in Handlungen der Grund der Spannung – hier ist es anders.

In 80 Kapiteln, mal lang oder gerade in aktiven Momenten zu kurz, bringt uns Norton die Geschichte der nunmehr 22-jährigen Frau Reeve LeClaire näher. Sie ist traumatisiert aufgrund einer Entführung mit anschließender Gefangenschaft, war bis zum Anfang der Handlung nicht gesellschaftsfähig, manchmal weder für sich, noch für andere ertragbar. Angst, Unwohlsein und diverse andere Gefühle bestimmten ihren Alltag und schleppten sie immer wieder zu ihrem nach der Rückkehr ins „Leben“ gerufenen Psychologen Dr. Ezra Lerner. Er ist auf Gefangenschaftssyndrome spezialisiert und hilft Opfern, sowie Familienangehörigen.

Es geschahen weitere Entführungen, und immer mehr gerät Reeve in den Sog von Mitgefühl, ihren eigenen Gefühlen und ihrem Willen zu helfen in Bezug auf die kleine Tilly Cavanaugh. Diese wurde ebenfalls entführt, missbraucht und durch eine aufmerksame Maklerin gefunden. Reeve sieht Tilly mit einem gewissen Haloeffekt, welcher sich auf freundschaftlicher Ebene manifestiert.

Anstatt sich auf die Tätersuche hauptsächlich zu konzentrieren, achtet Norton penibel darauf alle Verhaltensweisen und Gedanken zu erklären, ob nun aus Reeves Sicht oder aus der Sicht aller Beteiligten – nennenswert wären hierbei die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin, Nick Hudson, als ihr Laufbursche und Dr. Ezra Lerner.

Als Figur entwickelt sich Reeve erstaunlich schnell, als hätte sie nur auf eine Gelgenheit gehofft, ihrem Leben einen größeren, tieferen Sinn zu geben. Sie scheitert jedoch beinahe auf den letzten 50 Seiten hierbei. Doch nur beinahe, sie lebt. Dennoch gibt es unschöne und zu viele Tote, Morde, die hätten verhindert werden können, hätte der Polizeiapparat bessere Arbeit ageliefert.

Interessant ist auch – Reeve ist als eine Art Hauptfigur in den Mittelpunkt gerückt worden, Tilly aber bleibt als zweitwichtigste Figur hierbei auf der Strecke. Mehr als Erläuterungen aus Reeve’s sich selbst angeeignetem, wenn auch richtigem, psychologischem Fachwissen, können die kleine Tilly nicht als vollwertige Figur plastizieren. Vielleicht, weil sie nicht einen zwangsläufigen fortschreitenden Handlungsstrang inne hatte, von der nach der Rettung sich anschließenden Traumatisierung der posttraumatischen Belastungsstörungen abgesehen.

Abschließend lässt sich kurzum sagen:

Ein interessanter Schmöker für zwischendurch, jedoch kein Knüller und nichts, was das Abendessen kalt werden lässt. Norton sollte man dennoch im Auge behalten – wer weiß, womit sie uns das nächste mal überrascht oder gar wirklich vom Hocker reißt?

Quellen: Carla Norton – und nachts die Angst

http://www.carlanorton.com/bio.html

http://buchwelt.de/autor/carla-norton/

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